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12.04.2007 - Alter: 3 Jahre

Behinderte beschweren sich: Die meisten Bahnhöfe sind nicht barrierefrei

 

GUNZENHAUSEN – Im Freistaat Bayern gibt es 1000 Bahnhöfe und Bahnhaltepunkte. Davon sind deutlich über 800 nicht barrierefrei. Das hält Bernhard Endres aus Gündersbach, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Pleinfeld, für einen „unhaltbaren Zustand“.
Endres ist auch Tourismusberater für barrierefreies Reisen und Vorstandsmitglied in der VKIB, der Vereinigung der bayerischen Behindertenbeauftragten und Behindertenbeiräte. Diese Organisation ruft auf zu einer Sternfahrt der behinderten Bürger aus ganz Bayern nach München mit einer öffentlichen Kundgebung am Marienplatz am Samstag, 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Voraussetzung für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Bahnfahrt ist die möglichst baldige Anmeldung der Rollstuhlfahrer bei der Mobilitätszentrale der DB, Telefon 0180/5512512.
Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gibt es nach Endres Worten neun Bahnhöfe, von denen als einziger der in Treuchtlingen barrierefrei ist. Das Fränkische Seenland verfügt über keinen barrierefreien Bahnhof mehr, somit haben behinderte Menschen keine Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen.
Der letzte nutzbare Bahnhof war der Pleinfelder – nicht barrierefrei, aber nutzbar. Vor Jahren fuhren noch viele „Rollifahrer“ aus dem Ballungszentrum Nürnberg nach Pleinfeld, um einen schönen Tag am Brombachsee zu verbringen. Damals war es noch möglich, in Pleinfeld aus- und einzusteigen, dank der verbliebenen Postwägelchen-Übergängen. Diese Übergänge wurden von der Deutschen Bahn aus Rationalisierungsgründen abgebaut, ohne einen gleichwertigen Ersatz anzubieten, bedauert Bernhard Endres. Den einheimischen behinderten Menschen ist es nicht mehr möglich, mit dem Zug zu fahren. Er hält diesen Zustand für einen „Skandal in der heutigen Zeit des demografischen Wandels“. Immer mehr Akteure investierten in einen „Tourismus für alle“ im Fränkischen Seenland. Die Bahn, zuständig für An- und Abreise, gehe den entgegengesetzten Weg.
Das Fitness-Programm für die Bahn, noch von der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2003 beschlossen, sehe auch Milliardenbeträge für die Barrierefreiheit des Systems vor. Geschehen sei jedoch in Bayern herzlich wenig. Weder sei der Fahrzeugpark in nennenswerter Zahl mit fahrzeuggebundenen Einstiegshilfen nachgerüstet, noch seien große und kleine Bahnhöfe barrierefrei umgebaut worden, was bei den großen zent-ralen Stationen besonders gewichtige Folgen habe.
Maßnahmen zur Barrierefreiheit nützen allen Fahrgästen, nicht nur behinderten, unterstreicht der VKIB und fordert zusammen mit sämtlichen behinderten Mitbürgern die barrierefreie Beförderungskette. Das heißt, jeder Fahrgast solle auf dem allgemein üblichen Weg ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe sein Ziel erreichen können. Eine möglichst „machtvolle Demonstration der Betroffenen“ am 5. Mai solle die Deutsche Bahn AG und die öffentliche Hand als deren Eigentümerin aus ihrer Lethargie aufschrecken. Nähere Informationen unter www.vkib.de.


 

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